Rodeostar

We

Zwei Buchstaben, ein Wort, ein Universum: Die kosmischen Biker aus Norwegen sind zurück.
Fast drei Jahre nach „Smugglers“ sind sie wieder da – stärker, härter und punktgenauer als je zuvor. Tension & Release heißt das neue Werk von WE, und wie der Titel verspricht, bietet es ein packendes Wechselbad aus Spannung und Entkrampfung. Tension & Release bringt die besten Qualitäten der Band aus Oslo auf den Punkt, so etwa die Wüstenrock-Wurzeln und den Krautrock-Einfluss von „Smugglers“, das seinerzeit von Stonerrock-Guru Chris Goss produziert wurde.

Aber Tension & Release geht einen entscheidenden Schritt weiter und katapultiert die gelungene Mixtur aus Psychedelia und Hardrock mitten ins Jahr 2007. Von Gitarrenwänden überflutet, mit axtschweren Drums und einer nahezu vulkanischen Soundscape ausgerüstet, zeigen sich WE upfront wie nie zuvor: hart, modern und bedingungslos kompromisslos.

Schon der Einstieg in die Welt von Tension & Release spricht für sich: „Lotus Rising (In The Emotional Minefields)“ gibt sich verspielt, prescht aber bereits nach vorn wie ein geflügelter Hengst, der sich bei „Free Behind Bars“ in eine unaufhaltsame Rock’n’Roll-Maschine transformiert.
Unüberhörbar: die erstklassige Tastenarbeit des WE-Neueinsteigers Tariq Rui Rahman, der mit Tension & Release nun zum festen Bandmitglied geworden ist und für reichliches Sound-Space-Out sorgt. Er ergänzt die WE, die sich auf Tension & Release mit Goshie (b), Krisvaag (dr), Don Dons (git) und Thomas Felberg (vox) ansonsten in der Originalbesetzung zeigen, in der sie ihren Trip schon 1994 begannen. Mit „Smugglers“ bekamen WE im Jahr 2004 endlich die verdienten Ehren: Das Album katapultierte sich auf Platz 1 der norwegischen Charts und riss die Band in einen dreijährigen Sog von Live-Shows auf drei Kontinenten, unter anderem mit Motörhead, Hawkwind und Whitesnake. Nebenbei wurden dann noch Preise geerntet: WE räumten zwei Alarm-Awards (Sparten “bestes Album” und “bester Liveact”) ab, gewannen den Oslo-Award für das “Beste Album” und wurden vom norwegischen Magazin Mann’s zur “Besten Band” gekürt. Im Frühjahr 2007 ging es dann mit einer Handvoll frisch geschriebener Songs ins Studio.

Die Energie, die WE aus all dem gezogen haben, schlägt auf Tension & Release voll durch, etwa auf der potenziellen Hitsingle „That’s Why (You’re So Fine)“, das mit herzerfrischend geradeaus gehendem Rockriffing und groovigen Chören überzeugt und hymnischen Charakter besitzt. Irgendwo zwischen der endlosen Weite Hawkwinds und der dunklen Melodiösität Bowies in seiner Berlin-Phase hat sich das brachiale „For Love For Life“ angesiedelt, das den Einstieg in eine herrliche Spacerock-Trilogie vorbereitet: Auf „Popuhl Vuh“ und „Appreciation“ zeigen WE, das sie es nicht verlernt haben, packende und progressive Space-Rock-Songs auf die Beine stellen, die ihren Höhepunkt in der zweiten potenziellen Hitsingle „Hurdy Gurdy“ finden. Hier treffen sich Free und Curtis Mayfield auf einen Cocktail zum Sonnenuntergang und tanken Kraft für den Trip durch zwei Stomper, die wahre Metal-Sahnehäubchen sind und zum Härtesten gehören dürften, was man bislang von WE zu hören bekam. „Post Millennium Tension Blues“ und „Thorns“, die augenzwinkernd verdeutlichen, dass WE mit Achtziger-Metal aufgewachsen sind, den sie gekonnt mit 70s-Hardrock zu verbinden wissen. Mit „No End“ liefern WE eine ungewohnt introvertierte Ballade, aber aufgepasst: dies ist das Release vor der Tension, denn das 9-minütige „Freaks In The Street“ bildet einen brillanten, orgiastischen Klimax, der die Tour de Force durch die Evolution des Rock abrundet und sich am Ende im Spiralnebel auflöst.

Das besondere Highlights dürfte die zu Tension & Release gehörende DVD sein, die den Fan mit hinter die Kulissen und in den Nightliner nimmt. Kern des Ganzen ist eine etwa halbstündige Film-Doku von Regisseur Jan Kenneth Driesen, der die Band 2006 auf die „Smugglers“-Tour durch Deutschland begleitete, die sie zum Teil mit Motörhead absolvierten. Sozusagen hautnah verfolgte die Kamera die Jungs in ihren intimsten Momente: bei Vorbereitung auf die Gigs, bei der After-Show-Selbstkritik, auf Shoppingtour durch Hamburg und schließlich zum Abschied und Plattentauschen mit Mikey Dee (der sehr gut schwedisch spricht) und Lemmy Kilmister. Außerdem natürlich jede Menge Live-Ausschnitte und Clubimpressionen. Weiterhin enthält die DVD drei in München mitgeschnittene Songs in voller Länge sowie ein Interview mit Thomas im Rahmen einer „Rockpalasts“-Dokumentation „Rockland-Norwegen“, die im Januar 2007 ausgestrahlt wurde.

WE selbst betrachten Tension & Release als ihr Meisterwerk, ein leicht nachvollziehbares Urteil. Tight, vielfältig und auf Albumlänge eine harmonische Einheit bildend, versammelt das Album elf Songs, von denen jeder ein kleiner Höhepunkt für sich ist. Musikalisch und konzeptionell ist Tension & Release ein Riesenschritt für WE, und für den Hörer ein faszinierender Trip durch ein Universum aus Sound und Imagination.

Discografie:
* 1997 Wooferwheels (2LP)
* 1999 From The Spaceways (10″ – red Vinyl)
* 2002 Dinosauric Futurobic (CD / 2LP)
* 2003 Lightyears Ahead (CD)
* 2004 Smugglers (CD)
* 2006 Smugglers (2LP)
* 2006 Sky Is The Limit (CD)
* 2007 That’s Why (You’re So Fine) (7″ – red Vinyl)
* 2008 Tension & Release (CD, CD+DVD, 2LP, 3LP – colored Vinyl)