Rodeostar

TJ Lavin

Lasst es langsam angehen, überschätzt euch nicht und seid mit ganzer Seele dabei…

Die meisten von uns kennen TJ LAVIN vor allem als einen der besten BMX-Dirt-Jump-Champions der Welt. Seit zwölf Jahren ist er Vollprofi und hat so ziemlich alle Auszeichnungen eingestrichen, die man nur gewinnen kann, inklusive dreier Goldmedaillen und der ehrenvollen Bezeichnung „King of Dirt“. Seit fünf Staffeln ist er zudem Moderator der Sportshow MTV Real World Road Rules Challenge, in der er weltweit die spektakulärsten Rennen der Extremsportart auf zwei Rädern präsentiert, außerdem hat er mit TJ Lavins Ultimate BMX eine eigene Game-Reihe auf den Markt gebracht.
Was bei uns bisher kaum einer wusste: TJ LAVIN ist auch ein hervorragender Musiker mit einem feinen Händchen für Beats, Samples und Grooves. The Second Set ist sein zweites Album, mit dem er nun auch bei uns an den Start geht.

„Ich würde mich selbst gar nicht als Rapper bezeichnen, ich rappe nur gern“, so TJ LAVIN, der seine Tracks in seinem gut ausgerüsteten Homestudio bei Las Vegas selbst zusammenschweißt und produziert. „Ich liebe es ganz einfach, Dinge aus dem Nichts zu schaffen. Mit einem Beat oder Sample anzufangen und dann zuzusehen, wie ein Track wächst.“ Dabei entstehen packende HipHop-Tracks, die TJs sicheres Gespür für tragende Grooves und sein ausgeprägtes Gefühl für Rhythmus in der Sprache unter Beweis stellen. Seine Word-Flows sind kraftvoll und zumeist überdurchschnittlich schnell, ein Wort-Orkan, in dem er leichtfüßig ganze Silbenketten abfeuert, die in Verbindung mit den punktgenauen Beats energetisch vorantreiben.

Schon seit über zehn Jahren findet TJ LAVIN den Ausgleich zu seinem halsbrecherischen Job in der Musik. Er brachte sich selbst den Umgang mit den Keyboards bei und fuchste sich in die professionelle Studioarbeit ein, und als sein erstes Album „The First Set“ vor etwas über einem Jahr erschien, verbreitete es sich per Mundpropaganda in Windeseile in den USA. Mittlerweile ist TJ in der HipHop-Community von Las Vegas als Künstler voll anerkannt und pflegt u.a. mit den Kottonmouth Kings eine fruchtbare, musikalische Freundschaft. „Ich habe nicht mit Musik angefangen, um Geld zu verdienen,“ betont TJ LAVIN. „Ich hatte einfach Spaß daran. Und je besser man wird, desto mehr Spaß hat man.“

The Second Set entstand während der letzten 6 Monate in seinem eigenen Studio fast im Alleingang. Viele Gitarrensätze wurden von seinem Freund Simon Tabron eingespielt, dessen Frau Pippa Tabron einige sehr intensive Vocal-Einsätze einbrachte, unter anderem auf der eindringlichen Ballade Soldier. Weitere Unterstützung kam von Gitarrist und Rapper 3Pair, mit dem TJ ebenfalls eng befreundet ist.

The Second Set brilliert mit einer ausgewogenen Mischung aus Fun-Tracks, Reflektionen seiner Umgebung und der Verarbeitung persönlicher Erfahrungen. „Ich kann nur über Sachen texten, die ich entweder selbst gesehen oder erlebt habe“, so TJ. „Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sich in einer VIP-Section mit Champagner besaufen. Eher würde man mich mit einer Flasche Wasser in einem Club treffen.“

World At Wealth und Live Beyond The Means beschreiben zum Beispiel den ganz normalen Wahnsinn eines auf Luxus ausgerichteten Lebens: „Leute, die 50.000 Dollar im Jahr verdienen, kaufen sich sofort ein 50.000 Dollar teures Auto, das sie dann abbezahlen müssen“, so TJ. „Würden sie 70.000 Dollar verdienen, würden sie sich ein 70.000-Dollar-Auto anschaffen. Viele Leute gucken nur auf ihren Besitz und schaffen sich immer mehr Luxus an. Schließlich sind sie nur noch damit beschäftigt, ihren Besitz nicht zu verlieren. Eine endlose Spirale, die sich unaufhaltsam nach oben dreht..“

Songs wie Go feiern dagegen das Leben, das TJ LAVIN selbst übrigens alkohol- und drogenfrei genießt. Der Track mit dem ultratrockenen Beat, den aufs Wesentliche reduzierten Samples und dem angedeuteten Girls-Choir ist vor allem zum Tanzen gemacht. Und besonders die Frauen mögen We Wanna Make You, das ebenfalls mit kleiner Soundscape auskommt und sich an knackigen Hardcore-HipHop-Grooves orientiert. In Lavs At The Opera benutzt TJ LAVIN sogar einen Ausschnitt aus einer Arie, die er mal im Internet gefunden hat. „Ich bin ganz zufällig auf diesen großartigen Part gestoßen und wusste lange nicht, was ich damit machen sollte. Dann kam ein Kumpel vorbei und setzte ein paar Raps drauf. Damit war der Track so gut wie fertig.“

Aber auch persönliche Themen beschäftigen TJ LAVIN auf The Second Set, etwa auf Time Goes On, in dem TJ LAVIN auf sein stressiges Leben als Top-Sportler und Medienmann blickt.
Einen bitteren Hintergrund besitzt der Song Soldier, eine gelungene Fusion aus HipHop und Ballade, die auch als Single erscheinen wird. Den Song schrieb TJ für seinen Freund und Sportskollegen Stephen Murry, der im Juni 2007 einen schweren BMX-Unfall hatte. Am Anfang war nicht einmal klar, ob Murray den Sturz überleben wurde, und während er tagelang im Koma lag, wartete TJ mit Murrays Frau und ihren zwei kleinen Kindern im Krankenhaus auf gute Nachrichten aus der Intensivstation. Murray überlebte, aber er wird den Rest seines Lebens von der Schulter ab gelähmt bleiben. TJ schrieb den Track, um Murray Mut zu geben und die Menschen auf Murrays Schicksal aufmerksam zu machen, das der heute 27-Jährige mit viel Kraft und Lebenswillen trägt. Anders als NBA, NFL oder andere professionelle Sportarten, hat das BMX-Racing keine Vereinigung, die Sportlern finanzielle Unterstützung zukommen lässt, daher wird TJ LAVIN seinen Anteil aus dem Verkauf der Single komplett an den Stephen Murray Family Fund spenden (Näheres gibt es unter www.stephenmurrayfamilyfund.com und www.myspace.com/murraystrong).
Auf der US-weiten AST Dew-Tour, die im Juni beginnt, wird TJ LAVIN die Story Murrays erzählen und die Single „Murray“ promoten – um einem starken Mann die Hilfe zukommen zu lassen, die er verdient.
„Lasst es langsam angehen und bleibt bei euren Fähigkeiten“, rät TJ LAVIN dem BMX-Nachwuchs. „So ein Unfall passiert selten, viel seltener als ein Flugzeugabsturz. Es war einfach Pech, ein so genannter Freak Accident. Aber versucht nie, etwas zu tun, was ihr nicht einschätzen könnt.“

TJ LAVIN, der selbst ständig mit großen und kleinen Verletzungen zu kämpfen hat und erst kürzlich in einen schweren Autounfall verwickelt wurde, betrachtet sein Leben als kostbares Gut und zieht seine „Never say die“-Haltung konsequent durch. Ein absolut bodenständiger Mann, der seine Gedanken klar und sortiert rüberbringt. Ebenso geradlinig sind seine Tracks auf The Second Set, das uns über Rodeostar nun auch in Europa die Ohren öffnen wird.