Rodeostar

Andrew Paul Woodworth

I’m just trying to turn the bad into the good…
John Paul Jones sagte über ihn, er sei der beste Lyriker, mit dem er je zusammen gearbeitet hätte, auf den LA Music Awards 2004 wurde er zum „Male Vocalist of the Year“ gekürt, und sowohl der weltweit größte Sportsender ESPN, als auch die Roswell-Show, als auch die Macher der Kultserie Buffy, the Vampire Slayer setzten seine Musik ein! Aber der große Bruch im Leben des Andrew Paul Woodworth kam mit dem Beastie Boys-Partysmasher You Got To Fight For Your Right (To Party). Denn seine akustische Gänsehaut-Version hinterließ im Publikum und in Branchenkreisen staunend geöffnete Münder – und es gab ihm selbst den Kick, seine Solokarriere als Songwriter zu starten. Jetzt ist es fertig, das Solodebüt von Andrew Paul Woodworth: „Eddy Ate Dynamite“.

„Eddy Ate Dynamite, Good Bye Eddy“ lautet die Eselsbrücke, mit der Kids in den USA die Grundtöne der Gitarre kennenlernen: E-A-D-G-B-E. Ebenso ist für Andrew Paul Woodworth der Schritt in die Solokarriere ein Neuanfang, mit dem er das Spiel ganz von vorn beginnt.

Fest verankert in der LA-Szene, gründete Woodworth in den Neunzigern die Post-Grunge-Band Elephant Ride, deren erstes Album vom legendären LedZep-Basser John Paul Jones produziert wurde – auf dessen eigenen Wunsch. Trotz guter Resonanz erfüllte das Album die kommerziellen Erwartungen von Sony nicht und so kam kein zweites Album beim Major zustande. Dazu führten interne Probleme in der Band zur Auflösung. 2002 rief Woodworth die Band Virgil ins Leben, ebenfalls klar rockorientiert und durchaus ein überdurchschnittlicher Indie-Erfolg: Die US-Filmtheater präsentieren Virgil in ihren Audioprogrammen und zeigen die Videos in den Top-50 Märkten. Die Band spielt beim SXSW und bei den LA Music Awards 2005 wird das Virgil-Album „My Paradise“ mit dem Award für das „Independent Rock Album of the Year“ ausgezeichnet.

Fast gleichzeitig beginnt Andrew mit Producer Christian James-Hand, erste eigene Songs aufzunehmen. Mehr aus einer Laune heraus entsteht währenddessen Fight For Your Right, das sofort auf Resonanz stößt – zum Beispiel bei den Produzenten der TV-Serie „One Tree Hill“, die ihn sofort in der Serie featuren.

Zu diesem Zeitpunkt wird Andrew klar, dass er schon mitten im Aufbau einer Solokarriere steht. Wie besessen beginnt er Songs zu schreiben und stellt mit James-Hand die EP I Hate Music fertig, die mit geringer Auflage ein kleiner Indie-Hit wird. Das Album ist dann der nächste logische Schritt.

Produziert von Evan Frankfort (The Wallflowers, The Jayhawks, Rancid) bringt Eddy Ate Dynamite auf 12 Songs und drei Interludes die Vielfalt Andrew Paul Woodworths zum Tragen – und seine Liebe zur Melodie und zur liebevoll arrangierten Instrumentierung. So gibt es auf dem Album echte Streicher zu hören, zwei Violinen und ein Cello. Außerdem einen Hornspieler, ein Banjo, Mundharmonika und jede Menge kleiner Soundgimmicks, die das Album zu einem interessanten Trip werden lassen.

Andrew Paul Woodworths Stimme lässt sich vielleicht als Lovechild von Michael Jackson, Eddie Vedder und Jeff Buckley beschreiben. Emotional und melodieverliebt, aber niemals weich oder kraftlos. Eddy Ate Dynamite zeigt Woodworth durch und durch harmoniesüchtig und präsentiert ein Kaleidsokop an verschiedenen Spielarten von Pop- und Songwriting. Von leichtfüßig radiotauglich über introvertiert melancholisch bis hin zu verspielt-komplexen Harmonielinien, die mit suggestiven Bläserarrangements angereichert sind, zieht Woodworth alle Register, um immer wieder neue Ansätze für seine Songs zu finden. Und alles durchzieht eine gewisse Leichtigkeit, in der man sich zurücklehnen und genießen kann.

Jedoch ist Eddy Ate Dynamite nicht nur unbeschwert. Eine gewisse Doppelbödigkeit bestimmt fast alle Texte auf dem Album, denn auch wenn sie an der Oberfläche Hoffnung, die optimistische Suche nach einem besseren Ort und ein großes Maß an Liebe behandeln, steckt dahinter oft ein Problem, eine Vergangenheitsbewältigung oder eine Abrechnung mit sich selbst. Es ist der Zwiespalt dessen, der es sich nicht leicht macht, und immer schimmert irgendwo ein Dunkel hervor, das zwangsläufig dort entsteht wo Licht ist. So ist der vermeintlich frohsinnige Opener Thick Black Mark gleichzeitig ein Loblied an die Freunde wie auch eine bittere Abrechnung mit den eigenen Schuldgefühlen, The Day After The Day After Tomorrow gleichzeitig ein optimistischer Blick nach vorn wie ein Ringen um Befreiung von den inneren Zwängen. Woodworths Texte sind beides: kunstvoll verschlüsselte Lyrik, die auf Allgemeingültiges abhebt, die aber die Dinge auch direkt beim Namen nennt. Woodworth besitzt ein scharfes Auge, geschult an der steten Suche nach dem eigenen Zentrum, die ihm Zeit seines Lebens keine Ruhe lässt. Und hier entfaltet auch die rein akustische Version von Fight for Your Right ihr zweites Gesicht: Als eine zweifelgeplagte Hymne für die Versprengten, die gar keine andere Wahl haben, als ihren eigenen Weg zu gehen.

Zu den Schlüsselwörtern des Albums gehört Change – Wechsel. Der Wechsel von bandverwurzelten Rockmusiker zum poporientierten Songwriter, aber auch der Übergang von einem Zustand in den anderen. Von einem problematischen in einen geklärten, von einem unsicheren in einen vorausschauenden. „Ich war immer ein angry young man“, erklärt Andrew. „Ich war oft wütend und gab anderen und mir die Schuld, wenn etwas schief ging. Ich habe Freunde verprellt, weil ich mich schlecht benommen habe, bis ich merkte, dass ich mich selbst bemitleidete. Ich fragte mich: ‚Kann man das nicht alles besser machen? Kann man nicht sogar die Welt etwas besser machen? Man muss es wenigstens probieren.“

Eine Erkenntnis, die Eddy Ate Dynamite insgesamt zu einem positiven, lichten Album macht, das voller neu gewonnener Energie steckt. „Also versuche ich, aus dem Bösen etwas Gutes zu machen“, schließt Andrew. „Selbstmitleid in Liebe zu verwandeln und Wut in Leidenschaft.“

Step by Step into „Eddy Ate Dynamite“

„Auf Eddy Ate Dynamite geht es um Hoffnung und um die Frage, ob man Dinge nicht zum Besseren wenden kann. Ich spielte früher in einigen Rock’n’Roll-Bands, in denen es meist um Selbstmitleid und Unzufriedenheit ging. Ich war unreif und voller Hass und Wut. Aber als ich meine Solo-Karriere begann, hatte ich genug davon, mich immer selbst zu bemitleiden. Ich wollte etwas ändern.
Das Album ist sehr positiv geworden, sogar meine Freunde waren überrascht. Ich fühle mich jetzt besser mit dieser positiven Einstellung, und das hört man in den Songs. Trotzdem rechnen sie auch mit meiner Vergangenheit, meinen Fehlern und meinen Misserfolgen ab. Und – alle Songs haben irgendwie mit Liebe zu tun.“

Thick Black Mark.
And if I could prove my heart was bigger than my ego
Could I expect my friends to forgive me for the things that made me wrong?
„In diesem Song geht es um Schuldgefühle. Ich gehöre zu den Menschen, die manchmal nachts nicht schlafen können, weil ich mich frage, ob ich mich am Tag richtig verhalten habe. Aber es geht auch darum, dass man versuchen muss, aus Bösem Gutes machen. Man muss manchmal leiden, um sein wahres Ich zu finden.“

Everything to Everyone
Eine Art Bittgesuch, ein Bettelsong. Ein Versuch, jemanden zu überzeugen und damit auch sich selbst. Wenn ich meine Unsicherheit überwinde und mein Schamgefühl beiseite schiebe, dann kann ich Dir zeigen, dass ich dich mag und du dich bei mir sicher fühlen kannst. Zusammen können wir alles erreichen.
I know you’re following your heart darling.
I know we can do whatever we want.

The Day After The Day After Tomorrow
The day after the day after tomorrow
We’ll decide on a road that we can follow
Ein echter Happy-Song. Es geht zwar um Flucht, aber es ist ein Weg in eine bessere Welt. Wir sind noch nicht am Ziel, aber ich weiß, dass wir ankommen werden. Die Bläser geben dem Song ein verspieltes und fröhliches Flair.

Pleasure To Meet You
Die erste Ballade auf dem Album, sehr romantisch. Es geht um eine Art Bonnie & Clyde-Beziehung und beschreibt eine intensive Begegnung zweier Menschen, die sich aus dem Üblichen ausklinken und nur das machen, was sie denken. Ich liebe Prince-Songs, in denen er als dritte Person über andere erzählt. So etwas wollte ich hier auch machen.

Salesman
Eindeutig ein Liebeslied. Eine Frau bietet einem Mann eine Fülle von wunderbaren dingen an, wie eine fahrende Händlerin mit einem Karren voller Wunder. Eigentlich geht es um meine Frau, wir haben erst kürzlich geheiratet. Sie strahlt soviel aus, und jeder mag sie. Sogar Frauen mögen sie sehr gern, obwohl Frauen oft sehr eifersüchtig untereinander sind. Das sagt sehr viel. Wahrscheinlich habe ich mich deshalb in sie verliebt.

Seen Change
Einer der beiden instrumentalen Interludes mit gleichem Titel auf dem Album. Bei diesen Parts geht es um meine Mitmusiker, ich wollte ihnen hier den Vortritt lassen und nicht singen. Ich liebe die Chemie die entsteht, wenn man mit anderen Musik macht. man wächst daran und verändert sich dabei. Man muss zuhören. Genauso muss man der Welt zuhören, wenn man sie verändern will.

Something You Could Do
Ich habe eine schwierige Eigenschaft: Ich kann manchmal sehr distanziert werden und mich in mir selbst zurückziehen. Das hat gar nichts mit den anderen Menschen zu tun, und wird meistens missverstanden. Der Song ist eine Art Entschuldigung. Die Bitte, mich zu verstehen und mich dann allein zu lassen. Und mich dann wieder aufzunehmen.
But there’s something you could
To relieve me of the pressure.
You could let me come to you.

Give Me An Hour To Clear My Throat
Wieder ein Song, in dem ich mit mir selbst ins Gericht gehe. Es geht um Eifersucht, und das kennt wohl jeder. Wenn der andere weit weg ist und man sich nicht sehen kann. Man weiß nicht, was der andere tut, ob er an einen denkt. Und dann kommt die Angst vor dem Verlust. Aber es zeigt auch, wie sehr man jemanden liebt.
I’m cold and embarrassed. And jealous tonight.

This Could Make Me Religious
Ich bin überhaupt nicht religiös. Und ich glaube weder an Gott noch an den Teufel. Doch es gibt manchmal einen Moment der Liebe oder des Glücks, der schon fast etwas Religiöses besitzt. Dann könnte man es fast anbeten…
‘Cause we danced so high.
Yeah we danced so high.

Turkish T.V.
Ein weiterer Fluchtsong. Meine Frau stammt aus einer türkischen Familie, die in England lebt. Sie leben sehr traditionell, sprechen nur türkisch, lesen nur türkische Zeitungen und schauen nur türkisches Fernsehen. Das kann sehr beengend und sehr schwierig sein. Als wir einmal auf Besuch da waren, sind wir manchmal heimlich weggelaufen, um uns frei zu fühlen.
There’s a place I can almost feel.
It’s so real that it’s almost real.
There’s no worry and no disease
And no Turkish T.V.

Ropemaker’s Daughter
Wenn man liebt, dann versteht das nicht immer jeder. Die Leute reden auf dich ein, der andere sei nicht der richtige für dich, du würdest nicht zu ihm gehören und Eure Liebe hätte keine Zukunft. Sie knüpfen Seile und versuchen, die Frau die du liebst an sich zu binden, damit sie nicht mir dir geht. Aber gemeinsam kann man sich befreien.
And I’d like to know you every single day.
And I’d like to know I’ll never see us change.
And I’d like to know that this is the beginning of our happy ending.

You Got To Fight For Your Right (To Party)
Der Anfang von allem. Dieses ist der erste Take der ersten Aufnahme. Das Beste ist, dass die Beastie Boys die Freigabe für den Song gegeben haben, nachdem sie ihn gehört haben. Und sie geben fast nie Songs frei.